Tagesfahrt am 14.06.2014 – Auf den Spuren der Auswanderer

Die diesjährige Ganztagesfahrt führte unsere Heimatfreunde auf den Spuren der Auswanderer nach Bremerhaven. Die Organisation der Fahrt lag in den Händen von Günter Buschenlange, der Dr. Wolfgang Grams aus Oldenburg engagiert hatte. Mit einem Kleinbus fuhren wir zum ältesten künstlichen Hafen Deutschlands an die Weser nach Vegesack.

Dr. Grams erläuterte, dass Vegesack bis in die 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts ein bedeutender Hafen war. Um die 50 Heringsschiffe waren hier stationiert; von hier aus wurde auch Walfang betrieben. Es lebten hier zeitweise etwa 250 Kapitäne, von denen etliche viele Auswanderer nach Amerika gebracht haben. Allerdings konnten keine größeren Schiffe bis nach Vegesack oder Bremen fahren, da die Weser versandet war und stellenweise nur eine Tiefe von 1 bis 2 Meter hatte. Bei Ebbe war die Weser sogar so flach, dass die Bauern von der Ostseite über die Weser schneller nach Brake in das Großherzogtum Oldenburg zur Kirche fahren konnten als zur eigenen Kirche im Königreich Hannover. Das Großherzogtum Oldenburg profitierte bis etwa 1820 vom Weserzoll bei Brake, den alle Schiffe zu entrichten hatten. Danach gab es politische Verhandlungen, die zur Gründung der Stadt Bremerhaven im Jahre 1827 und zur Eröffnung des Hafens 1830 führten. Da es damals noch keine Eisenbahn gab, gelangten die meisten Auswanderer mit einem Segelschiff von Bremen/Schlachte nach Bremerhaven.

Unsere kleine Gruppe hat diese Fahrt auf dem 55 Jahre alten Segelschiff „Orion“ nachempfunden, nur mit dem Unterschied, dass unsere Fahrt statt zwei Tagen in damaliger Zeit jetzt 4,5 Stunden dauerte. Der Plan, Segel zu setzen, wurde gestrichen, weil der Wind ungünstig stand und wir im oberen Flusslauf wegen der ankommenden Flut gegen die Strömung fahren mussten. Wir staunten, als wir hörten, dass der Tidenhub bis zu vier Meter beträgt! Aber mit Motorkraft haben wir das Ziel in der vorgesehenen Zeit erreicht. Wir hatten es auch bequemer als die Auswanderer vor 150 Jahren: Statt unserer 17 Personen – mit Besatzung – mussten sich früher 50 bis 60 Personen den engen Platz auf einem Boot unserer Größenordnung teilen.

Die Überfahrt von Bremerhaven nach New York dauerte mit einem großen Segelschiff je nach Wetter 60 bis 90 Tage. Als dann zwischen 1850 und 1860 die ersten Dampfschiffe aufkamen, waren die Fahrten besser planbar, denn sie dauerten zunächst, unabhängig vom Wetter, 12 Tage und später eine knappe Woche. Ab 1856 traten Auswandereragenten auf, die aus ganz Europa Auswanderungswillige nach Bremerhaven brachten und an die Reederei „Norddeutscher Lloyd“ übergaben. Insgesamt sind von Bremerhaven aus über 7 Millionen Menschen nach Amerika ausgewandert.

Nach der Ankunft in Bremerhaven wurden im Auswandererhaus die Spuren der Emigranten weiter verfolgt. Den Abschluss bildete eine Hafenrundfahrt mit dem Bus.

Text: Rolf Tapken

Fotos: Rolf Tapken (6), Günter Buschenlange

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